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Freitag, Oktober 11, 2002

Abflug Zürich 11.10; Ankunft Istanbul 16.40. Ist/Time = -1 Std.
Dauer unseres Aufenthaltes: 7 Tage.
Samstag, Oktober 12, 2002
Aufgeweckt wurden wir um 6.00 durch ungewöhnliche Klänge. Hinter unserem Hotel ist eine Moschee. Um 6.00 ruft der Muezzin zum Gebet. Und, da es fast alle 500 m eine Moschee hat, alle gleichzeitig anfangen, und jeder etwas anderes ruft, tönt es recht disharmonisch.

Blaue Moschee: viel zu viel Touristen. Wir verschieben die Besichtigung auf einen späteren Zeitpunkt. Grand Basaar: ein Stadt in der Stadt. Wir haben uns fast verlaufen!!! Steffi kauft ein glattes Jäckli. Büchermarkt: ich hatte mir mehr davon vorgestellt. Aber trotzdem, ein interessanter Markt zum herumstöbern.
Süleymaniye Moschee: meines Erachtens die schönste Moschee von Istanbul. Das Innere strahlt erhabene Weite aus: 3.500 qm (!) gross ist der Gebetsraum. Ausgeführt wurde er von Sinan in
7-jähriger Bauzeit; von allen Istanbuler Bauten des berühmten Architekten gilt die Moschee als sein Meisterwerk.
Am Abend etwas Essen. Gemütlich auf einer Terrasse. Steffi fasst eine Einladung. Ich, hundemüde, kehre ins Hotel zurück.

Sonntag, Oktober 13, 2002
Wir wollen nach Ortaköy (Empfehlung von Steffi's neuem Freund). Mit der Fähre von Eminönü nach Üsküdar (asiatische Seite); umsteigen auf ein kleineres Boot nach Beşiktag. Weiter mit den Bus nach Ortaköy
Dies ist auch ein beliebtes Sonntagsziel der Einheimischen. Wussten wir nicht. Wir waren somit nicht ganz alleine da!!! Sehr hübscher Markt. Steffi findet eine "echte" Chanel Sonnenbrille (vermutlich alles Kopien), einen Gasanzünder mit Flamme und ich? Parfum von Joop (sieht auch nach einem Remake aus!), ein Glücksbringer und für Melissa etwas hübsches für Weihnachten.
Am Nachmittag zurück nach Beşiktag und mit dem Schiff nach Kadiköy (asiatische Seite). Hier soll es irgendwo eine historische Apotheke geben. Und, wer sucht der findet. Aber eben, die Apotheke ist geschlossen. Der Eigentümer öffnet jedoch extra für uns. Halt nette Leute, die Istanbuler. Im  Quartier soll es auch ein Glaceladen geben. Auch gefunden.
Inzwischen sieht es nach Regen aus: dunkle Wolken stapeln sich, mein linker Knöchel macht sich  ebenfalls bemerkbar. Bestimmt habe ich heute Plattfüsse bekommen. Zurück zur Anlegestelle und mit der Fähre nach Eminönü. Weiter mit einem Taxi. Aber dieses lädt uns nach knapp 1000 m wieder aus. Kein Durchkommen! Also per pedes ins Hotel. Es war ein langer Tag, und solche Gewaltsmärsche können mir in Zukunft gestohlen bleiben.

Montag, Oktober 14, 2002    Highlight

Geplant war ein Besuch der Hagia Sophia. Die ist aber am Montag geschlossen. So wird es halt ein Besuch im Topkapi-Palast. Wir organisieren einen Führer und  -wie sich nachträglich herausstellte-  haben wir einen wirklich kompetenten Mann erwischt. Wir konnten nur bis 16.00 Uhr bleiben. Alles haben wir somit leider nicht gesehen. Aber das wichtigste haben wir besichtigt.
Am Abend steht ein Besuch bei Freunden von Linda und Rene bevor. Sie haben uns gebeten, ein paar Sachen zu überbringen. Mit dem Plan von Linda gehen wir los. Abgemacht haben wir um 18.00 in Sayirer. Ab dem Busbahnhof fahren wir ca. 2 Std. in einem überfüllten Bus Richtung Norden. Es ist heiss; mir wird's fast schlecht. In Sayirer holen uns Umit und seine Schwester ab. Wir werden sehr herzlich empfangen. Da diese Leute fast kein Wort English reden (Eltern überhaupt nicht) behilft man sich mit Pantomime. Geht auch. Wir werden bekocht (ganz lecker) und sie wollen uns partout nicht mehr gehen lassen: wir sollen übernachten. Ich halte dies aber nicht für eine gute Idee. Um 22.00 mit dem Bus via Taksim zurück. Dort Taxi gefasst und ab ins Hotel. Wir danken der Familie Boybas für ihre aussergewöhnliche Gastfreundschaft.
Es war ein super Tag.
Dienstag, Oktober 15, 2002
Heute steht als allererstes die Hagia Sophia auf unserem Plan.
Da wir gute Erfahrungen gemacht haben mit unserem Guide im Topkapi-Palast, überlegen wir uns, auch für die Hagia Sophia einen Führer zu engagieren. Für 15$ bietet sich einer an. Sogar in deutscher Sprache. Ist aber völlig in die Hose gegangen. Nach einer halben Stunde haben wir genug. Unser Guide behauptete er sei Architekt und Archäologe und  -wie wir feststellten- ein Fan der griechischen Geschichte. Naja, Pech gehabt. So zogen wir halt auf eigene Faust los. Mit unserem Reiseführer-Büchlein als Unterstützung. Wunderschöne Mozaiken oben auf der Galerie.

Da wir gerade in der Nähe sind, besuchen wir die Yerabattan-Zisterne (unterirdische Wasserspeicher).

Steffi sucht Metallschablonen; ich Batterien für meine Kamera. An der Steckdose im Hotelzimmer funktioniert mein Aufladegerät nicht. Ausser farbigen Klebebuchstaben werden wir nicht fündig. Nach wiederholtem Fragen erhalten wir einen Zettel mit einer Adresse für einen Metallschablonen-Laden.
Mit den Batterien habe ich kein Problem. In einem Fotoshop werde ich fündig.
Ich suche zudem ein Buch über Sinan, den berühmten Architekten. In Taksim gibt es laut Reiseführer eine Türkisch-Deutsche Buchhandlung.

Mittwoch, Oktober 16, 2002   Highlight
Egyptische Basaar, (Misir Çarşisi) spezialisiert auf Nüsse, Gewürze, Oliven, Tee und noch vieles mehr. Es duftet wunderbar. Ich finde echten Safran aus Persien, aromatische Minze für Tee und türkische Süssigkeiten (echte Kalorienbomben). Aber was soll's.

Beyoglu - Taksim
Auf zur angegebenen Adresse (Schablonen-Laden). Wir finden dort ein Quartier, wo alle  die gleichen Produkte verkaufen. Sei es Plastik, Sanitärartikel, Haushaltgeräte, Gartenzubehör usw. (ausser Schablonen natürlich!!!) Langsam wird uns klar, wie das in Istanbul funktioniert. Es ist wie beim Kratarellen (Pilz) suchen: findest du einen, so kannst du Gift darauf nehmen, dass es nahbei ganze Felder gibt. Wie in Istanbul. Hier wird in ganzen Strassenzügen nur ein und dasselbe Produkt verkauft.
Scheinbar sind wir jedoch nicht im Schablonenquartier! Man gibt uns eine andere Adresse in Beyoğlu. Laut Reiseführer gibt es da eine Tunnelbahn die nach Taksim (wollen wir sowieso besuchen) hinauf fährt. 
Mit dem Tram zur Galatabrücke. Und nach dieser, direkt linksab, soll der ersehnte Schablonenladen zu finden sein.
Nach der Tramhaltestelle müssen wir durch eine Unterführung. Und da jeder Türke ein geborener Verkäufer zu sein scheint, gibt es zahlreiche Stände. Steffi ist hellbegeistert. Oje, oje, wir suchen doch nur Schablonen?? Nach Steffi's Einkaufsrausch geht's endlich weiter. Das angegebene Quartier hat von allem, aber keine Schablonen. Nach einer Stunde suchen und fragen erhalten wir eine neue Adresse. Obwohl wir langsam die Hoffnung aufgeben fahren wir mit der Tunnelbahn nach Taksim hoch. Im Bähnli fragt Steffi zwei junge Frauen. Aber unsere eben erhaltene Adresse löst ziemliches Befremden aus. Das sei mitten im Dirnenviertel, sagt man uns. Da hätten anständige Frauen nichts zu suchen.

Ich habe langsam die Nase voll von "Schablonen". Unsere zwei neuen Bekannten aber laufen mit uns mit und zeigen uns eine Strasse bergab, wo wir unsere Schablonen "höchstwahrscheinlich" finden würden. Wir sind im Graveur/Metall-Quartier. Nach mehrmaligem Fragen werden wir zu einem alten Mann verwiesen. Er führt uns in ein Haus wo er ein Werkstatt (2 x 2 m) hat. Und er verkauft, kaum zu glauben, genau das was Steffi sucht. Steffi ist happy (und ich noch happier).
Dann bergab und mit der Tunnelbahn wieder hoch. Ich habe Hunger und möchte irgendwo mal abhocken. Also eingekehrt, gegessen und wieder auf in die Schlacht. Steffi sucht eine deutsche CD. Aber das gibt es nicht. Ich kaufe mir eine türkische CD von einer Gruppe, welche ich in der Lobby unseres Hotels gehört habe. In der Buchhandlung finde ich ein Buch über Sinan (aber nur in Englisch). Fazit: bis jetzt viel Geld ausgegeben.
Am Abend geht Steffi mit ihrem Bekannten in den Ausgang. Für mich habe ich ein Ticket für das "Turkisch Cultural Dance Theater" organisiert. Das Theater befindet sich ganz in der Nähe des Hotels (ca. 7 Min. laufen). Die Vorstellung war ein Erlebnis.

Donnerstag, Oktober 17, 2002   Highlight
Am Morgen besuchen wir nochmals die Blaue Moschee. Eigentlich nur um zu fotografieren. Bei unserem ersten Besuch, hatte es viel zu viele Touristen. Kopftuch montiert, Schuhe ausgezogen, Bilder geschossen und dann mit dem Tram zum Hafen Eminönü. Heute wollen wir die Prinzeninseln (Kizil Adalar) besuchen. Ticket kostet 4 Millionen TL nach Büyük Ada (Endstation). Das sind ca. CHF 4.-. Fahrzeit 1.5 Std. Es ist ein fantastischer Tag: die Sonne scheint bei ca. 23°. Wir machen es uns gemütlich. Steffi ist noch nicht ganz fit. Es sei halt ein bisschen spät geworden gestern Abend. Aber der türkische Wein sei fein, so Steffi.
Ankunft Büyük Ada: erst mal checken, wie's mit der Rückfahrt steht. Wir haben noch einen Termin um 20.00 Uhr in Sayirer (Einladung von Şengül, Tochter der von uns besuchten Familie Boybas, zu einer folkloristischen Veranstaltung).
Ankunft im autofreien Büyük Ada. Fortbewegungsmittel:  Pferdekutsche, Esel oder per Pedes.
Ich bin für eine Insel-Rundfahrt mit einer Pferdekutsche. Steffi findet das sehr "tourimässig", macht jedoch mir zuliebe mit.
Los geht's. Der Fahrer lädt Steffi nach wenigen Metern ein, vorne neben ihm zu sitzen. Nicht ganz uneigennützig, dünkt mich. Ein hübsches Mädchen mit rosaroten Haaren ist schliesslich eine nicht alltägliche Ansicht in Büyük Ada. Wir haben die kürzere Route gewählt. Nach ca. einer Stunde sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt. Es war megalustig (Steffi). Wir haben aber den leisen Verdacht, dass unserer Fahrer einen Umweg durch sein Quartier gemacht hat. Showtime.
Wir sind spät dran. Wir bemerken, dass es mit unserer Abmachung mit Şengül nicht gut ausschaut. Beinah sind wir zudem mit dem falschen Schiff abgefahren. Glücklich gelingt es uns, noch rechtzeitig  auszusteigen! Dies mit Hilfe eines sehr nervösen Holländer's, der uns von weitem auf unser Versehen hinweist.
Abfahrt unserer Fähre ist um 18.15. Um 20.00 beginnt die Veranstaltung. Das reicht folglich bei weitem nicht, haben wir doch 1.5 Std. bis Eminönu und nochmals mindestens 1.5 Std. bis Sariyer.  Steffi sagt ab per SMS.
Auf dem Schiff erleben wir einen fantastischen Sonnenuntergang. Nach einem Stop im "Mosaik" (Restaurant) ab ins Hotel. Wir möchten ja morgen früh aufstehen.
Freitag, Oktober 18, 2002
Unser letzter Tag. Bis 15.00 können wir noch etwas unternehmen. Wir stehen um 6.45 auf. Wir wollen um 8.00 in einem Hamam (türkisches Bad) sein. Wir haben beide keine Ahnung, wie das abläuft. Aber es soll super sein! Wenigstens kommen wir so wieder sauber nach Hause! 15 Euro kostet der Spass (inkl. Massage). Der von uns ausgesuchte Hamam liegt ganz in der Nähe (Cemberlitaş Hamam). Er sei einer der schönsten und ältesten Hamams der Stadt. Seit seiner Einrichtung 1563 wird das Bad  -mit separaten Abteilungen für Männer und Frauen-  ohne Unterbrechung genutzt.

 

 

 

 

 


Cemberlitas

Das türkische Bad besteht in der Regel aus einem Heißluftraum mit Temperaturen um die 50° C, einem Warmluftraum mit ca. 40° sowie mehreren kühlen Räumen. Neben dem Schwitzen und Abkühlen gehören auch Teerunden sowie Massagen zum Baderitual der Türken.

Es war super:  man fühlt sich wie neu geboren. Steffi und ich trennen uns: Steffi zum Adieu sagen (Freund) und ich um auf der Bank TL (Türkische Lire ) für unsere Hotelrechnung zu holen. Nach zweimaligem Code eingeben hat der Bancomat meine EC eingezogen. Scheisse, was nun? Ein Bankangestellter demontiert den Bancomat und fischt meine EC wieder heraus, (alles gratis!!!). Aber TL habe ich immer noch nicht. Also auf die Suche nach einer Bank die mir TL verkauft. Es gelingt und der ganze Stress löst sich in Luft auf. Um 15.00 mit dem Shuttlebus nach dem Flughafen.
Rückblickend kann ich nur sagen: es war ein fantastischer Aufenthalt in Istanbul.

Allaha ısmarladik in Istanbul
Auf wiedersehen Istanbul

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